Traditionelle chinesische Kräutertherapie
Jing Fang (经方) – Klassische Rezepturen der Chinesischen Medizin
Jing Fang (经方) bezeichnet die klassischen Rezepturen der Chinesischen Medizin, die auf den Lehren von Zhang Zhongjing basieren. Diese überlieferten Formeln werden seit Jahrhunderten angewendet und bilden bis heute eine wichtige Grundlage der chinesischen Arzneimitteltherapie.
Die Chinesische Medizin betrachtet Gesundheit als ein dynamisches Gleichgewicht verschiedener Kräfte im Körper. Dabei gilt Qi als die Lebensenergie, die alle Funktionen antreibt, während Blut den Körper nährt und versorgt. Sind Qi und Blut geschwächt oder können sie nicht frei fließen, können Beschwerden wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Schmerzen oder allgemeines Unwohlsein entstehen.
Das Ziel der Behandlung besteht darin, die natürlichen Regulationsmechanismen des Körpers zu unterstützen und den freien Fluss von Qi und Blut wiederherzustellen.
Praxisbeispiel: Huangqi Wuwu Tang (黄芪五物汤)
Huangqi Wuwu Tang ist eine klassische Rezeptur aus der traditionellen chinesischen Medizin. Sie wird häufig bei Beschwerden eingesetzt, die mit Taubheitsgefühlen, Schmerzen, Schwereempfinden oder Bewegungseinschränkungen der Arme und Beine verbunden sind.
Die Rezeptur kombiniert mehrere Arzneimittel, darunter Astragalus (Huangqi), weiße Pfingstrosenwurzel (Baishao), Zimtzweige (Guizhi), frischen Ingwer (Shengjiang) und chinesische Datteln (Dazao).
Besonders charakteristisch ist das ausgewogene Behandlungskonzept: Einerseits wird das Qi gestärkt, andererseits werden bestehende Blockaden gelöst und die Durchblutung sowie der Energiefluss gefördert. Dadurch entsteht ein harmonisches Zusammenspiel von Stärkung und Regulation.
Die klassische chinesische Medizin geht davon aus, dass Schmerzen und Taubheitsgefühle häufig dort entstehen, wo der Fluss von Qi und Blut gestört ist. Deshalb steht nicht allein die Kräftigung des Körpers im Mittelpunkt, sondern vor allem die Wiederherstellung einer freien Zirkulation.
Warum nicht immer nur stärken?
Viele Menschen leiden heute unter Erschöpfung, Schlafproblemen, innerer Unruhe oder verminderter Belastbarkeit. Häufig wird angenommen, dass diese Beschwerden ausschließlich durch einen Mangel verursacht werden und daher vor allem stärkende Mittel erforderlich sind.
Aus Sicht der Chinesischen Medizin spielen jedoch oft auch Stress, emotionale Belastungen und ein unausgeglichener Lebensrhythmus eine wichtige Rolle. Diese Faktoren können den freien Fluss des Qi beeinträchtigen und zu funktionellen Blockaden führen.
Werden solche Blockaden nicht berücksichtigt und ausschließlich stärkende Mittel eingesetzt, können Beschwerden wie Völlegefühl, innere Unruhe, Reizbarkeit oder Hitzegefühle auftreten.
Mein Behandlungsansatz
In meiner Praxis steht zunächst die Regulation des Qi-Flusses im Vordergrund. Dabei spielt die Leberfunktion innerhalb der Chinesischen Medizin eine zentrale Rolle, da sie für den freien Fluss von Qi und Emotionen verantwortlich ist.
Erst wenn die grundlegenden Regulationsmechanismen wieder ins Gleichgewicht gebracht wurden, erfolgt bei Bedarf eine gezielte Stärkung der körperlichen Ressourcen. Dieses Vorgehen folgt dem klassischen Prinzip:
„Zuerst regulieren, dann tonisieren.“
Dadurch wird nicht nur aufgebaut, sondern gleichzeitig die Grundlage geschaffen, damit der Körper seine natürlichen Selbstregulationskräfte nachhaltig nutzen kann.